Unihockeytown-Dialog: XXL-Talk mit Daniel Gayk (#93 Herren)

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(ds) Als er vor 3 Jahren zur DJK kam, deutete sich eine Grundtalentiertheit an. Dass der Rotschopf sich aber zum Edeltechniker entwickeln würde, hätten so nicht viele gedacht. Angefangen in der Regionalliga mit einem versäumten Aufstieg am Ende, setze er fort mit einem Jahr beim WFC in der 2.Bundesliga, bis er nach einem Auslandssemester in der Floorballhochburg Finnland wieder dahin zurückgekehrt ist, wo alles angefangen hat. Die DJK hat ihn wieder und er hat seine Qualität in den letzten Spielen direkt unter Beweis stellen können: Gefährlicher Abschluss, variables Passspiel, herausragende Stocktechnik und flinke Bewegungsabläufe sowie ein hohes Spielverständnis. Nicht nur das Team und die Trainer sind begeistert, sondern auch die Fans haben ihn seit seinem Billy-Nillson-Torjubel in die Herzen geschlossen. Im Unihockeytown-Dialog steht der neue alte Grün-Weiße nun Rede und Antwort. Herzlich Willkommen zurück: Daniel Gayk 2.0!

Unihockeytown.de: Daniel, du hast zuletzt ein halbes Jahr in Finnland verbracht, warst also in einem absoluten Floorball-Agglomerat unterwegs und hast den Sport dort nicht zu knapp ausgeübt. Wie sah dein sportliches Treiben in Vaasa aus? Was konntest du sportlich mitnehmen?

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Daniel: Hallo zusammen! Ja, es war eine wundervolle Zeit in Finnland, natürlich auch wegen des Floorballs. Dort durfte ich mit einem ambitionierten Team trainieren, welches in der dritten finnischen Liga spielt. Das Niveau war sehr hoch, ein Mitspieler hat sogar letzte Saison hier in Deutschland in der ersten Reihe des UHC Weißenfels gespielt. Aufgrund des sehr hohen Spieltempos – selbst in jedem Training – muss die Stocktechnik natürlich top sein. Hoffentlich hat die Zeit auch bei mir etwas Früchte getragen. Das Wichtigste habe ich aber kurz vor Abreise bei der traditionellen Abschiedssauna gelernt. „Floorball is more than scoring goals – it’s about the people!“ Mit vielen finnischen Freunden pflege ich auch noch einen sehr guten Kontakt und einige werden 2015 bzw. 2016 für ihr Auslandssemester nach Deutschland kommen – eventuell sehen wir dann ja bald auch eine Tormaschine im Holzbüttgen-Trikot!

Was unterscheidet die Strukturen des finnischen Floorball im Kern von jenen in Deutschland?

In Finnland ist Salibandy, wie Floorball dort genannt wird, omnipräsent. Jeden Tag sieht man entweder Kinder am frühen Morgen zum Floorballgymnasium fahren oder spätestens abends Anzugträger zum Floorball-Betriebssport gehen. Außer in Lappland habe ich kaum einen Tag ohne den Anblick eines Floorballschlägers erlebt! Alleine mein Gastverein hatte über 1000 aktive Mitglieder und Mika Kohonen ist dort nicht unbekannter als ein deutscher Fußballweltmeister!

Was sind sportlich die größten Abweichungen zwischen einem finnischen und einem deutschen Zweitligisten bzw. Zwietligaspiel? Und worin bestehen Unterschiede in der Trainingsarbeit und dessen Konzeption?

Zunächst einmal war ich in Finnland sehr überrascht, dass pro Training meist nur eine Stunde lang das Feld zur Verfügung steht. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es einfach extrem viele Mannschaften gibt, die Hallenzeit nachfragen. Demzufolge fand das Warm-Up meist erst draußen im Schnee statt und dann ging es fokussiert in die Halle. Aufgrund der hohen Anzahl an Teams verteilen sich auch die Zuschauer an den Spieltagen stark und die Tribünen sind deutlich leerer als in Unihockeytown. Dafür gab es als Best-Player Ehrungen oft außergewöhnliche Preise wie Rucksäcke, MP3-Player oder früher noch gelegentlich einen DVD-Player.

Das mag jetzt naiv klingen, aber glaubst du, es gibt Bereiche in denen sehr gute Floorballnationen wie Finnland vielleicht noch etwas von Deutschland lernen können? Wenn ja, welche?

Absolut! Vor allem, wenn es um das Thema ‘Lamentieren’ geht!! Im deutschen Floorball wird einfach so viel über den Schiri gemeckert, auf die Mitspieler gebrüllt oder auf dem Feld mit dem Gegner gestachelt wie nirgendwo sonst! Da sind wir wirklich Weltmeister im Lamentieren! Alles Originale im deutschen Floorball! =)

Wie beurteilst du die Vereinsstrukturen in deinem neuen alten Club, der DJK Holzbüttgen? Und hat der Verein (dir) sportlich etwas zu bieten?

Strukturell und organisatorisch ist die DJK Holzbüttgen meines Erachtens erstligawürdig aufgestellt. Solch ein Einsatz, nicht nur auf dem Feld, sondern gerade auch außerhalb des Spielfeldes ist lobenswert und vorbildhaft! Sportlich ist es eine Freude von so vielen jungen und erfahrenen Leuten umgeben zu sein, mit denen man auch außerhalb des Feldes gerne Zeit verbringt. Es gibt viele starke Spieler, von denen man sich einiges abschauen kann. Nichtsdestotrotz muss sich unser Floorballspiel aber insgesamt noch mehr der Qualität der strukturellen Rahmenbedingungen anpassen, als umgekehrt.

Wie bewertest du die Trainingsarbeit hier? Ggf. auch im Vergleich zu dem, was du im Ausland, oder deiner Zeit beim WFC kennen gelernt hast.

Das Trainerteam investiert viel Zeit in die Trainingsplanung und dies merkt man auch. Diese Tatsache wird oft unterschätzt und übersehen, da die Trainer ja nicht alle selber mitspielen, doch die positive Entwicklung der Mannschaft ist zu einem Großteil auch deren Verdienst. Die Trainingsinhalte ähneln sich sehr, aber wenn man das Training mit einem Lächeln verlässt und viel Spaß hatte, dann hat es sich schon gelohnt. Es kommt halt auf die Menschen an! Und so macht es nicht nur in Unihockeytown oder Finnland Spaß Floorball zu spielen, sondern auch mit den Freunden des WFC habe ich immer eine wunderbare Zeit.

Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele als Spieler?

Kurzfristig würde ich gerne beim kommenden Auswärtsspiel in Butzbach zusammen mit Matthias „Mr. Hawaii“ Sieling ordentlich Alarm machen und ein paar Tore zaubern. Langfristig möchte man natürlich von Verletzungen verschont bleiben und sich stetig verbessern, um dem Team zu helfen.

Welche Ambitionen hast du auf schmale und breite Distanz mit der DJK Holzbüttgen?

Momentan besitzt natürlich das nächste Saisonspiel eine große Bedeutung und das Team ist top motiviert drei Punkte aus Butzbach zu entführen. Darüber hinaus geht dann darum, die Trainings- und Spieltagsleistungen der Vergangenheit auch auf Strecke stetig zu steigern. Um nicht in ein Leistungsloch zu fallen, ist vor allem erforderlich, dass jeder versucht in jeder Trainingsminute ein Stück mehr aus sich heraus zu kitzeln. Schulterklopfer helfen uns dabei nur geringfügig.

Wie fällt dein Fazit zur bisherigen Saisonleistung in der 2.Bundesliga aus?

Der aktuelle 2. Platz ist natürlich eine tolle Momentaufnahme, aber die Saison ist noch lang. Positiv bin ich beeindruckt vom hohen Engagement aller Spieler, was sich natürlich auch dann an den Wochenenden widerspiegelt. Sehr erfreulich finde ich es auch, dass alle drei Reihen sehr homogen sind und so auch jeder einzelne großen Anteil am bisherigen Erfolg hat.

Die Teams scheinen qualitativ enger zusammengerückt zu sein? Stimmt das, oder trügt der Schein? Wie bewertest du das Niveau der Liga und ihrer Teams insgesamt? Vielleicht auch etwas im Vergleich zur Vergangenheit?

Ja, diese Ausgeglichenheit ist wirklich unglaublich! Man kann kaum einen Spielausgang prophezeien und genau dies macht es so spannend. Z.B. liefert dieses Jahr u.a. der WFC positive Überraschungen, während die hessischen Teams sicherlich vor der Saison andere Erwartungen hatten. Das gesamte Niveau steigt von Woche zu Woche und durch meine Abwesenheit aufgrund des Auslandssemesters wurde dies mir besonders deutlich. Es ist schön zu sehen, wie einige Spieler ein sehr hohes Level erreicht haben. Aber noch einmal: In dieser Liga ist noch rein gar nichts entschieden. Diese Spannung ist sicherlich ein Stück weit Werbung für den Sport.

Gib einmal einen Ausblick auf die Folgespieltage. Wie schätzt du euer Restprogramm, insbesondere den kommenden Gegner Butzbach, ein?

Die kommenden Wochen mit den drei Auswärtsspielen im hohen Norden sind kaum vorherzusagen. Zunächst wollen wir jedoch in Butzbach einen Sieg holen. Bei den Spielen der DJK fallen bisher zwar vergleichsweise kaum Tore auf beiden Seiten, aber in Butzbach erwarte ich aufgrund des etwas kleineren Felders deutlich mehr Torjubel! Ich freue mich auf ein vitales Spiel und viele starke Momente mit diesem super Team!

Deine Tipps zum nächsten Spieltag der 2. Bundeliga:

Dümpten – Schenefeld: 7:5
Butzbach – Holzbüttgen: 5:6
WFC – Schenefeld 5:4
Neuwittenbek – Bremen: 5:9

Danke für deine Ausführungen, Daniel! Weiterhin viel Erfolg bei der DJK!

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