Start Allgemein „Angstgegner“ entzaubert: DJK erobert Tabellenspitze zurück

„Angstgegner“ entzaubert: DJK erobert Tabellenspitze zurück

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Goalie Jan Saurbier feiert mit den Fans den "Spitzenreiter" (Foto: Rene Thönnißen)
Goalie Jan Saurbier feiert mit den Fans den "Spitzenreiter" (Foto: Rene Thönnißen)

Über zehn Spiele lang hatte die DJK Holzbüttgen gegen den MFBC Leipzig nicht mehr gewinnen können. Am Sonntag beendeten die Rheinländer diese Negativserie eindrucksvoll. Mit einem souveränen 7:3-Erfolg vor fast 400 Zuschauern in der Stadtparkhalle holte sich die DJK nicht nur die Tabellenführung zurück, sondern setzte auch ein deutliches Ausrufezeichen im Titelrennen der Floorball-Bundesliga (Bericht: Michael Mülhöfer)

Manche Gegner liegen einem einfach nicht. Für die DJK Holzbüttgen war das in den vergangenen Jahren zweifellos der MFBC Leipzig. Lange hatten die Rheinländer gegen die Sachsen nicht gewinnen können, darunter einige denkbar knappe Begegnungen. Am Sonntag war damit Schluss. Und zwar auf eine Art und Weise, die durchaus Eindruck hinterließ.

Mit 7:3 setzte sich die Mannschaft von Trainer Simo Leppänen im Spitzenspiel gegen den bisherigen Tabellenführer durch und feierte damit den fünften Sieg in Folge. Leipzig hatte sich erst am Vortag durch einen 7:5-Erfolg in Bonn vorübergehend wieder an die Tabellenspitze geschoben. Keine 24 Stunden später gehörte Platz eins wieder den Holzbüttgern.

Holzbüttgen drückt dem Spiel seinen Stempel auf

Nach einer kurzen Abtastphase übernahm die DJK zunehmend die Kontrolle. Bereits in der fünften Minute zahlte sich ein hervorragend ausgespielter Freischlag in der Leipziger Hälfte aus. Martin Krametter wurde auf der Seite angespielt und fand im Slot Niko Latvakoski, der nicht lange fackelte und zum 1:0 vollendete.

Es war ein Treffer, der sinnbildlich für die bisherige Saison steht. Während Holzbüttgen im vergangenen Jahr häufig Rückständen hinterherlaufen musste, gelingt es der Mannschaft inzwischen immer besser, selbst früh in Führung zu gehen und anschließend das Spiel zu bestimmen.

Dabei profitiert die DJK sichtbar davon, dass der Kader weitgehend zusammengehalten und punktuell verstärkt werden konnte. Alle drei Reihen sind mittlerweile in der Lage, offensiv Akzente zu setzen und gleichzeitig defensiv stabil zu stehen. Auch die kontinuierliche Arbeit von Trainer Simo Leppänen scheint zunehmend Früchte zu tragen. Automatismen lassen sich einfach besser einstudieren, wenn der Kader konstant bleibt.

Gegen Leipzig zeigte sich das besonders deutlich. Holzbüttgen variierte geschickt das Tempo, ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen und zwang die Gäste immer wieder zu Abschlüssen aus der Distanz. Dort war bei Nationaltorhüter Jan Saurbier zumeist Endstation.

Für eine längere Unterbrechung sorgte in der zwölften Minute ausgerechnet die Technik. Mitten im Spiel versagte die Spieluhr ihren Dienst. Nach einiger Beratung einigte man sich darauf, das erste Drittel mit einer Restspielzeit von neun Minuten fortzusetzen und die eigentlichen Reparaturarbeiten in die Drittelpause zu verlegen. Sportlich ließ sich die DJK davon nicht aus dem Rhythmus bringen und nahm die verdiente 1:0-Führung mit in die Kabine.

Unterzahl wird zur Stärke

Auch im zweiten Abschnitt blieben die Gastgeber zunächst am Drücker. In der vierten Minute erhöhte der österreichische Nationalspieler Krametter nach Vorlage von Jarno Pensikkala auf 2:0. Ein wichtiges Tor, das den Holzbüttgern zusätzliche Sicherheit gab.

Doch dann wurde es unnötig hektisch. Joona Heiskanen kassierte zunächst eine Zwei-Minuten-Strafe wegen Sperrens und anschließend noch eine persönliche Zehn-Minuten-Strafe wegen Reklamierens. Die DJK musste dadurch insgesamt vier Minuten in Unterzahl überstehen. Was in der Vergangenheit gerade gegen Leipzig häufig zum Problem geworden war, entwickelte sich diesmal zu einer echten Stärke. Die Holzbüttger Unterzahlformation arbeitete hervorragend, blockte zahlreiche Abschlüsse und konnte sich immer wieder befreien. Und wenn doch einmal ein Ball durchkam, war Saurbier zur Stelle.

Vier Minuten lang biss sich Leipzig die Zähne aus. Wieder vollzählig, schlug die DJK erneut zu. Leo Häfner setzte sich mit einer sehenswerten Einzelaktion im Mittelfeld durch und bediente Kapitän Nils Hofferbert, der in der zwölften Minute zum 3:0 traf.

Nur eine Minute später schafften es dann auch die Leipziger erstmals auf das Scoreboard. Und nach dem 3:1 machten sich die Gastgeber das Leben nicht gerade leichter. Heiskanen, der noch immer seine persönliche Strafe absaß, wollte trotz Aufforderung des Schiedsrichters nicht auf der Strafbank Platz nehmen und bescherte seiner Mannschaft damit weitere zwei Minuten Unterzahl.Doch auch diese überstand Holzbüttgen schadlos. Bemerkenswert: In der gesamten bisherigen Saison hatte die DJK damit erst einen einzigen Gegentreffer in Unterzahl hinnehmen müssen.

Kurz vor der zweiten Pause kam dann sogar noch etwas Glück hinzu. Konrad Paul brachte den Ball nach Vorlage von Hofferbert auf das Leipziger Tor. Mit reichlich Drall drehte sich dieser über den Schoner des Torhüters hinweg ins Netz – 4:1.

Hofferbert legt nach – Leipzig findet keine Antwort

Wer nach dem Seitenwechsel mit einer Leipziger Aufholjagd gerechnet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Hofferbert mit seinem zweiten Treffer auf 5:1 erhöhte.

Leipzig verkürzte zwar wenig später auf 5:2, brachte sich anschließend aber mit einer Zeitstrafe selbst in Schwierigkeiten. Latvakoski nutzte die Überzahl konsequent und stellte mit seinem zweiten Treffer den alten Vier-Tore-Abstand wieder her.

Die Gäste versuchten noch einmal alles und kamen in der 55. Minute auf 3:6 heran. Doch anders als in manch früherem Duell mit dem MFBC hatte man diesmal zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass Holzbüttgen die Partie noch aus der Hand geben könnte.

In den Schlussminuten nahm Leipzig seinen Torhüter zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers vom Feld. Die DJK kam dadurch mehrfach zu hochkarätigen Möglichkeiten, ließ die endgültige Entscheidung aber zunächst liegen. Erst in der Schlussminute setzte Pensikkala nach Vorarbeit von Maximilian Schrick mit dem 7:3 den Schlusspunkt. In der Stadtparkhalle kannte der Jubel nun keine Grenzen mehr.

Der Schlüssel zum Erfolg: taktische Flexibilität

Kapitän Nils Hofferbert (Foto: Rene Thönnißen)
Kapitän Nils Hofferbert (Foto: Rene Thönnißen)

Kapitän Hofferbert zeigte sich nach dem Spiel entsprechend zufrieden. „Wir haben uns gut auf das Spiel vorbereitet und hatten die richtigen Mittel. Wir haben die Spiele zuvor gegen Leipzig so ein wenig adaptiert“, erklärte er. Vor allem die taktische Flexibilität sei entscheidend gewesen: „Wir standen mal höher, mal tiefer, sodass sich Leipzig gar nicht richtig darauf einstellen konnte, was wir heute machen. Ich glaube, das war der Schlüssel zum Erfolg.“

Tatsächlich war es nicht nur die Offensivleistung, die beeindruckte. Die DJK agierte über weite Strecken taktisch diszipliniert, verteidigte kompakt und ließ sich selbst durch die zahlreichen Unterzahlsituationen nicht aus der Ruhe bringen.

Nach sechs absolvierten Spielen stehen damit bereits 16 Punkte auf dem Konto. Trotz einer Partie weniger als die Konkurrenz führt Holzbüttgen die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung vor dem amtierenden Deutschen Meister UHC Sparkasse Weißenfels an.

Dass die Mannschaft den Moment durchaus zu genießen weiß, zeigte sich unmittelbar nach der Schlusssirene. Saurbier, der zuvor mit zahlreichen Paraden großen Anteil am Erfolg gehabt hatte, stimmte vor den begeisterten Zuschauern die ersten „Spitzenreiter“-Gesänge an.

Bei aller Euphorie bleibt die Mannschaft aber auf dem Boden. „Wir genießen die Momentaufnahme, freuen uns, dass wir vorne stehen, und dann schauen wir weiter“, sagte Hofferbert.

Nach der Pause wartet das NRW-Duell

Für die DJK ist nun zunächst etwas Zeit zum Durchatmen. In der Floorball-Bundesliga steht eine kurze Spielpause an, während in Büttgen vom 16. bis 18. Oktober die deutschen U17- und U19-Nationalmannschaften zu Ländervergleichen gegen Dänemark antreten.

Am Samstag, 24. Oktober, wird es für die Holzbüttger dann wieder ernst. Um 17 Uhr wartet bei den SSF Dragons Bonn das nächste NRW-Duell – und damit gleich die nächste anspruchsvolle Aufgabe. Da wird der Anhang der Grün-Weißen sicher wieder mit Sonderbussen nach Bonn reisen und versuchen die Stimmung der Stadtparkhalle in die alte Bundeshauptstadt zu transportieren.

Nach dem fünften Sieg in Folge und der Rückeroberung der Tabellenführung dürfte die Vorfreude auf das Derby in Bonn jedenfalls nicht kleiner geworden sein.

Pensikkala setzt den Schlusspunkt zum 7:3 (Foto: Andreas Klüppelberg)
Pensikkala setzt den Schlusspunkt zum 7:3 (Foto: Andreas Klüppelberg)