Was für ein NRW-Duell! Die DJK Holzbüttgen hat ihre Tabellenführung in der Floorball-Bundesliga mit einem hart erkämpften 7:6-Erfolg nach Verlängerung bei den SSF Dragons Bonn verteidigt. Vor 281 Zuschauern im Sportpark Nord, darunter weit über 100 lautstarke Fans aus Kaarst, lieferten sich die beiden einzigen NRW-Vertreter der Liga einen packenden Schlagabtausch. Am Ende sorgte Kapitän Nils Hofferbert für die Entscheidung – und verwandelte das Auswärtsspiel endgültig in ein gefühltes Heimspiel.
Es gibt Spiele, für die lohnt sich jede Auswärtsfahrt. Das NRW-Derby zwischen den SSF Dragons Bonn und der DJK Holzbüttgen gehörte am Samstag zweifellos dazu. Führungswechsel, Strafzeiten, spektakuläre Tore und eine Entscheidung in der Verlängerung – die 281 Zuschauer im Sportpark Nord bekamen alles geboten, was ein echtes Derby ausmacht. Und als Nils Hofferbert in der fünften Minute der Overtime den Ball zum 7:6 im Bonner Tor versenkte, kannte der Jubel bei den weit über 100 mitgereisten Holzbüttger Anhängern keine Grenzen mehr.
Dabei hatten die Vorzeichen für die Gäste kurzfristig noch einen Dämpfer erhalten. Erst zwei Tage vor dem Spiel war Krystof Manour nachträglich für zwei Begegnungen gesperrt worden. Trainer Simo Leppänen musste seine Reihen entsprechend umbauen. Für Neuzugang Christopher Rustemeier bedeutete das die Chance, sich erstmals in der ersten Reihe zu beweisen.
Trotz der kurzfristigen Umstellung reisten die Grün-Weißen mit reichlich Selbstvertrauen an. Fünf Siege in Folge hatten die DJK an die Tabellenspitze geführt, während die Bonner überraschend schwer in die Saison gefunden hatten. Doch dass Tabellenplätze in einem Derby nur wenig zählen, wussten die Holzbüttger nur zu gut. Beide Duelle der vergangenen Saison waren an Bonn gegangen, die letzten beiden Gastspiele im Sportpark Nord jeweils erst in der Verlängerung entschieden worden.
Saurbier hält die DJK im Spiel
Anders als in den Wochen vor der Länderspielpause fand Holzbüttgen zunächst nur schwer in die Partie. Ungewohnte Fehlpässe im Spielaufbau eröffneten den Gastgebern immer wieder gefährliche Möglichkeiten. Dass die DJK nicht früh in Rückstand geriet, lag vor allem an einem Mann: Jan Saurbier.
Der Nationaltorhüter, der ausgerechnet im NRW-Derby sein 150. Bundesligaspiel absolvierte, erwischte einmal mehr einen Sahnetag. Mit starken Paraden hielt er seine Mannschaft im Spiel. Und wenn selbst Saurbier einmal geschlagen war, halfen Pfosten oder Latte.
Zusätzlich erschwerten sich die Gäste das Leben durch zahlreiche Strafzeiten. Zeitweise musste Holzbüttgen sogar mit nur drei Feldspielern gegen fünf Bonner verteidigen. Lange hielt das bislang beste Unterzahlspiel der Liga auch diesem Druck stand, ehe Lukas Kucera in der 17. Minute doch noch das 1:0 für die Dragons erzielte.
Der Bonner Torschütze ließ sich allerdings von der aufgeheizten Derby-Atmosphäre mitreißen. Sein allzu provokanter Jubel in Richtung der Holzbüttger Fankurve brachte ihm eine persönliche Zehn-Minuten-Strafe ein.
Die DJK nutzte die anschließende Überzahl prompt. Joona Heiskanen traf nach Vorlage von Jarno Pensikkala zum 1:1. Mit diesem Ergebnis ging es in die erste Pause.
Blitzstart und ein folgenschwerer Kontrollverlust
Was den Holzbüttgern im ersten Drittel nicht gelungen war, holten sie nach dem Seitenwechsel eindrucksvoll nach. Kaum hatte der zweite Abschnitt begonnen, schlugen die Gäste gleich doppelt zu.
Zunächst brachte Rustemeier seine Mannschaft nach Vorarbeit von Hofferbert mit 2:1 in Führung. Nur wenig später erhöhte Niko Latvakoski auf Zuspiel von Heiskanen auf 3:1. Zwei Treffer innerhalb der ersten Spielminute – der perfekte Start für den Tabellenführer.
In der Folge schien Holzbüttgen die Begegnung unter Kontrolle zu haben. Rund eine Viertelstunde lang verteidigte die DJK ihren Vorsprung, überließ den Gastgebern dabei allerdings immer mehr Spielanteile.
Ein Fehler, den die Dragons eiskalt bestraften. Mit einem Doppelschlag in der 17. Minute glichen die Bonner zum 3:3 aus und stellten den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf.
War das zweite Drittel insgesamt noch vergleichsweise ruhig verlaufen, sollte sich das im Schlussabschnitt grundlegend ändern.
Ein Geniestreich bringt Holzbüttgen zurück
Nun war es Bonn, das den besseren Start erwischte. Innerhalb der ersten fünf Minuten zogen die Dragons auf 5:3 davon. Plötzlich stand der Tabellenführer mit dem Rücken zur Wand.
Doch die DJK bewies Moral. Martin Krametter verkürzte in der sechsten Minute auf 4:5 und brachte seine Mannschaft zurück ins Spiel. Als Bonn in der zehnten Minute erneut mit zwei Treffern in Führung ging, schien die Aufholjagd allerdings schon wieder gestoppt.
Holzbüttgen ließ sich nicht abschütteln. Latvakoski nutzte in der zwölften Minute eine Überzahlsituation zum 5:6, ehe Heiskanen nur zwei Minuten später für einen der spektakulärsten Momente des Nachmittags sorgte.
Der Finne eroberte hinter dem Bonner Tor den Ball und reagierte blitzschnell. Noch hinter der Torlinie stehend, schoss er dem Bonner Schlussmann gezielt an die Rückseite des Schoners. Von dort sprang der Ball ins Netz. Ein ebenso frecher wie genialer Treffer zum 6:6 – und keineswegs ein Zufallsprodukt.
Das Derby war endgültig wieder offen und wie schon bei den letzten beiden Gastspielen in Bonn musste die Verlängerung entscheiden.
Hofferbert trifft – und aus dem Auswärtssieg wird ein Heimsieg
Auch in der Overtime war zunächst wieder Saurbier gefordert. Gegen seinen Nationalmannschaftskollegen und Bonner Topscorer Florian Weißkirchen verhinderte er mit einer Glanzparade die mögliche Niederlage.
Anschließend übernahm Holzbüttgen zunehmend die Initiative. Mit konsequentem Pressing erzwangen die Gäste Ballgewinne und sicherten sich längere Ballbesitzphasen.
Dann kam die fünfte Minute der Verlängerung. Ausgerechnet Kapitän Hofferbert war es, der mit seinem Treffer zum 7:6 das goldene Tor erzielte und den Sportpark Nord zumindest aus Holzbüttgener Sicht in ein Tollhaus verwandelte.
Gemeinsam mit seinen Mitspielern stürmte er in Richtung des Gästeblocks, wo die mitgereisten Fans ihre Mannschaft frenetisch feierten.
Nach dem offiziellen Spielende folgte ging es dann erneut in Richtung der mitgereisten Fans, die schon lautstark „Auswärtssieg“ skandierten. Aufgrund der grün-weißen Feierwand stimmten die Spieler den Schlachtruf kurzerhand in „Heimsieg“ um und alle Anhänger stimmten mit ein.
Rustemeier nutzt seine Chance
Einer der Gewinner des Nachmittags war auch Christopher Rustemeier. Der Neuzugang, der in der vergangenen Saison noch in der 2. Bundesliga gespielt hatte, durfte aufgrund der kurzfristigen Sperre von Manour in der ersten Reihe auflaufen und rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers mit einem wichtigen Treffer.

„Mich freut es sehr, das Vertrauen vom Coach geschenkt bekommen zu haben und den Ausfall von Kryštof etwas kompensieren zu können“, erklärte Rustemeier nach der Partie. Vor allem die besondere Atmosphäre hatte es ihm angetan: „Das Spiel war von viel Emotion auf dem Feld und auch neben dem Feld geprägt. Es hat super viel Spaß gemacht, auf dem Feld zu stehen, die Atmosphäre aufsaugen zu können und Vollgas zu geben.“
Mit dem siebten Sieg in Folge verteidigt die DJK ihre Tabellenführung und unterstreicht einmal mehr, dass mit den Holzbüttgern in dieser Saison zu rechnen ist. Auch wenn es in Bonn spielerisch längst nicht so souverän lief wie zuletzt gegen Leipzig, bewies die Mannschaft, dass sie selbst nach einem Zwei-Tore-Rückstand im Schlussdrittel noch zurückkommen kann.
Pokalkracher in Weißenfels – danach Schools-Day in Kaarst
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dem Tabellenführer allerdings nicht. Bereits am Samstag, 1. November, wartet im Sechszehntelfinale des Floorball Deutschland Pokals eine echte Mammutaufgabe. Es geht mal wieder zum Branchenprimus nach Sachsen-Anhalt.
Ausgerechnet Titelverteidiger und Rekordpokalsieger UHC Weißenfels steht den Holzbüttgenern gegenüber. Dass die DJK mit dem amtierenden Deutschen Meister durchaus mithalten kann, bewies sie bereits zum Saisonauftakt, als sie sich erst in der Verlängerung mit 7:8 geschlagen geben musste.
Auch Rustemeier blickt der Herausforderung selbstbewusst entgegen: „Mit Weißenfels haben wir natürlich direkt zu Anfang der Pokalsaison einen großen Brocken vor uns. Allerdings haben wir schon gezeigt, dass wir mit jeder Aufgabe umgehen können.“ Nach intensiver Vorbereitung wolle die Mannschaft alles daransetzen, dem Final4 einen Schritt näherzukommen.
In der Bundesliga geht es am Sonntag, 8. November, mit dem 9. Spieltag und einem Heimspiel gegen Aufsteiger VfL Red Hocks Kaufering weiter. Dann steht in der Stadtparkhalle der sogenannte Schools-Day auf dem Programm. Schülerinnen und Schüler aus Kaarst und Umgebung erhalten nach vorheriger Anmeldung freien Eintritt und können Bundesliga-Floorball und die besondere Atmosphäre bei den Heimspielen der DJK hautnah erleben.
Nach sechs Siegen in Folge dürfte auch dann wieder reichlich Stimmung garantiert sein.













